Flora Capture – Ein Erfahrungsbericht

Flora Capture – Ein Erfahrungsbericht
Flora Capture – Ein Erfahrungsbericht

Heute möchten wir unseren Blog nutzen, um eine unserer Helferinnen vorzustellen.

Martina Hartel, würden Sie uns ein paar Worte über sich erzählen?

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde ich auf die Flora Capture App aufmerksam und mein Interesse an der Botanik war sofort geweckt. Auslöser war, dass wir in den letzten Jahren versucht haben unseren kleinen Garten so umzugestalten, dass auch Insekten und Vögel einen Lebensraum finden. Da bleibt es nicht aus, sich immer umfassender über einheimische Pflanzen und auch Wildblumen zu informieren. Flora Incognita war dabei eine große Hilfe. Wie die meisten Nutzer wohl auch, habe ich dann erst mal unseren Garten durchstöbert, um festzustellen, was da alles so wächst – und vielleicht auch bleiben kann. Mehr noch, seit Flora Capture werden auch die ehemaligen „Unkräuter“ (also Wildblumen) in einem gewissen Rahmen gehegt und gepflegt – schließlich müssen diese erst einmal fotografiert und dokumentiert werden! Natürlich wird der eigene Garten ganz schnell viel zu klein für die Beobachtungen mit der Capture App und es zieht dich hinaus in den Wald und auf die Wiesen, um weitere Wildblumen und Co zu fotografieren. Zurzeit ist die Gruppe der „Wildblumen“ auch mein Favorit bei den Beobachtungen. Aber das liegt einfach daran, dass diese Gruppe so vielfältig ist. Wenn ich mich da erst mal ausgetobt habe, werde ich auch Gräser, Farne und Bäume stärker in Angriff nehmen!

Woher kennen Sie Flora Capture?

In einer Gartensendung im MDR Fernsehen wurden die Flora Incognita Apps vorgestellt und direkt von mir ausprobiert. Ich war begeistert und bin es immer noch! Die Pflanzenerkennung mit Flora Incognita funktionierte vor einem Jahr schon super und hat sich mit der Zeit und den verschiedenen Updates stetig noch mehr verbessert. Und dass man mit der Capture App aktiv dem Projekt zuarbeiten kann ist wirklich großartig. Denn Pflanzen zu fotografieren macht an sich schon viel Spaß und dass diese Fotos dann noch sinnvoll verwendet werden können ist einfach super!

Nutzen Sie auch Flora Incognita?

Und wie! Schließlich war und ist das für mich der Einstieg, Pflanzen kennenzulernen. Während zu Anfang die weiß blühenden Blumen auf der Sommerwiese für mich alles nur Schafgarbe war, habe ich durch die Flora Incognita gelernt, dass es auch wilde Möhre, Wiesen-Kerbel und noch so einiges andere gibt. Und dass das Gelbe nicht alles nur gewöhnlicher Löwenzahn, sondern durchaus auch Herbst-Schuppenlöwenzahn, Nickender Löwenzahn, Rauer Löwenzahn aber auch Habichtskraut, Ferkelkraut oder Pippau sein kann, war mir früher nicht auf dem ersten Blick klar. Kenner mögen jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber für einen Laien ist das nicht selbstverständlich so etwas unterscheiden zu können. Und das ist auch der große Pluspunkt an diesem Projekt: Laien wie ich, zwar mit einem gewissen Interesse aber ohne Vorkenntnisse werden Schritt für Schritt an die Artenkenntnis herangeführt. Und je mehr man kennt, desto mehr entdeckt man auch – Neues und Altbekanntes. Man bekommt mit der Zeit einfach „ein Auge“ für die Pflanzen, ist einfach motiviert genauer hinzuschauen und freut sich jedes Mal wie ein Schneekönig, wenn man schon wieder was Neues für seine Liste gefunden hat. Und das geht dann natürlich sofort in die Flora Capture App!

Was glauben Sie, wie viele Beobachtungen haben wir von Ihnen bislang bekommen?

Mittlerweile etwa 900, zum Glück steht die Anzahl ja oben in der Übersicht der Beobachtungen! Und ich bin selbst immer noch beeindruckt, dass ich in fast genau einem Jahr schon ungefähr 300 verschiedene Pflanzen finden konnte.

Können Sie uns eine typische Pflanzensammlungstour beschreiben?

Am Anfang habe ich versucht, eine Pflanzensammlungstour mit einem netten Wald- oder Wiesenspaziergang zu verbinden. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das gar nicht so praktikabel ist. Denn man kommt einfach nicht vorwärts. Zu viele Pflanzen warten am Wegesrand auf ein Fotoshooting. Spaziergänge mit Familie und Hund helfen daher lediglich, ein mögliches Zielgebiet festzulegen. Natürlich mache ich zwischendurch die eine oder andere einzelne Beobachtung, wenn ich unterwegs bin. Die typische Tour ist aber eine gezielte ein bis zweistündige Tour, bei der dann so zehn bis 20 Beobachtungen zusammenkommen. Es gibt einige Stellen, die ich immer wieder ansteuere, weil dort im Laufe des Jahres echt viel Veränderung stattfindet. Der von mir bereiste Umkreis hält sich auch ziemlich in Grenzen, bis auf wenige Ausnahmen bewege ich mich in einem Radius von vielleicht 20 km um meinen Heimatort herum, mehr braucht es nicht, selbst hier im Ruhrgebiet kann man da wirklich viel finden! Und dann heißt es: genau hinschauen. Es ist total spannend, mit wirklich offenen Augen durch die Natur zu gehen. Man entdeckt plötzlich die eine oder andere Pflanze, die man beim normalen Spaziergang gar nicht wahrnimmt. Ich bin selbst immer wieder erstaunt wie viele verschiedene Pflanzen ich schon entdeckt habe – und wie viel ich gelernt habe!!! Ich habe hier wirklich ein tolles, neues Hobby gefunden!

Welche Pflanze würden Sie gern noch für unser Projekt finden und dokumentieren?

Eigentlich freue ich mich über jede Pflanze. Es gibt noch so viele die ich gar nicht kenne und die bei genauerem Hinsehen erst richtig schön sind. Zum Beispiel bin ich richtig begeistert vom kleinen Wiesenknopf, erst von Nahem sieht man, wie wunderschön die Blüten sind. Natürlich würde ich auch gerne mal was ganz Seltenes finden, vielleicht ein Knabenkraut, aber da habe ich hier im Ruhrgebiet wohl eher wenig Chancen. Dann würde ich mich eigentlich auch gerne mal um Farne kümmern, da habe ich erst vier Verschiedene gefunden – da muss es doch noch mehr geben. Das Thema Gräser steht natürlich auch noch auf meinem Programm. Die sind zugegebenermaßen die Schwierigsten – der leiseste Windhauch macht das Fotografieren zu einer Geduldsprobe. Aber das ist auch wieder eine tolle Herausforderung und wenn die Fotos dann einigermaßen gut werden, ist man dann schon ein klein wenig stolz.

Welche Funktionalität fehlt Ihnen für die Flora Capture App noch?

Ich finde die App im Rahmen des Machbaren schon sehr durchdacht und auch intuitiv zu bedienen. In der neuesten Version wird ja auch schon eine automatische Vorerkennung der Beobachtung vorgenommen. Super!! Eventuell wäre es schön, wenn man die Möglichkeit hätte, noch ein paar zusätzliche Fotos, vielleicht in Blanko-Feldern aufzunehmen. Manchmal möchte man einfach noch mehr Bilder liefern. Oder zum Beispiel kann man bei der Beobachtung *Baum* nur ein Foto der Blüte machen, manchmal gibt es gerade bei Bäumen aber auch weibliche und männliche Blüten. Im Moment mache ich einfach das zweite Foto unter der Kategorie Knospe. Trotz höchstem Lob an die Technik: Zum Glück sitzen am anderen Ende der App ja noch Menschen – sehr kompetente Botaniker – die das dann auch verstehen und umsetzen können.

Einige Capture Aufnahmen von Martina Hartel.

Was können Sie anderen NutzerInnen als Tipp mitgeben?

Einfach loslegen. Zuerst einmal – oder für den normalen Spaziergang und die normale Wandertour – die Flora Incognita App nutzen. Da wird die Pflanze superschnell und supergenau erkannt. Und wenn man weitergeht, sieht man: ach da ist die Pflanze ja noch mal – oder war das doch was anderes? Und dann wird man automatisch neugierig und möchte die kleinen Details genauer betrachten und festhalten. Und das kann man dann super mit der Flora Capture App machen und sich dann Stück für Stück eine eigene kleine Pflanzensammlung – ein „Online-Herbarium“ – aufbauen. Als absolutes Highlight wird jede Beobachtung in der Flora Capture App ja noch von einem Botaniker geprüft, man hat also immer absolute Sicherheit was die Pflanzenerkennung betrifft.

Als Ausrüstung reicht ja eigentlich das Smartphone, eventuell kann man sich eine Zusatzlinse (Makro) anschaffen, die einfach auf das Smartphone geklemmt wird. Das ist – je nach Kameraqualität des Smartphones – nicht unbedingt für Details notwendig, hilft aber ungemein beim Fokussieren, besonders wenn man ein Blatt der Pflanze hervorheben möchte. Diese Linsen sind in guter Qualität schon für unter 20 Euro erhältlich. Ist aber wirklich optional. Zur Sicherheit nehme ich noch immer mal eine Powerbank mit, war aber noch nie wirklich notwendig. Ansonsten kann man auch ein Stöckchen oder einen festen Halm gut gebrauchen, um eine Pflanze vorsichtig ins rechte Licht zu rücken. Und eine Mülltüte. Mehr Ausrüstung braucht man schon nicht!

Bei der Fotografier-Technik hilft einfach Übung! Ich versuche immer drauf zu achten, dass nur die gewünschte Pflanze aufs Bild kommt und nicht irgendwelche Körperteile oder Teilschatten von mir oder gar herumliegender Müll (der wird in die mitgebrachte Mülltüte eingesammelt, wenn man schon mal da ist). Bezüglich Lichts und Schatten kann es von Vorteil sein, das gewünschte Pflanzenteil mit seinem Körper komplett zu beschatten, um somit scharfe Lichtkonturen zu vermeiden. Ich denke, so können die Pflanzen viel besser bestimmt werden. Man sollte sich auch nicht scheuen, von ein und derselben Pflanze vielfache Beobachtungen zu erstellen, man lernt die Pflanzen immer besser kennen, erkennt immer neue Details. Und obendrein liefert man Daten und Bilder für das Projekt! Zu Anfang habe ich gedacht, ich würden den Flora Incognita Server mit mehrfachen und teilweise nicht so guten Fotos nur zumüllen, aber mir wurde versichert, dass man alle Bilder brauchen kann, auch die nicht so guten. Denn der Rechner muss auch lernen, damit umzugehen.

Je tiefer man in die Flora Capture App eintaucht, desto mehr gewinnen die Fotos an Qualität. Natürlich braucht man auch etwas Zeit und Geduld, ich habe schon einige Aufnahmen etliche Male wiederholt – mal ist es der Wind, mal ein Insekt, mal ein Schatten, mal bewegt sich die sorgsam ausgerichtete Pflanze doch noch kurz vor dem Auslösen, mal fällt ein Halte-Halm oder Stöckchen weg. Auch kommt es immer wieder vor, dass man erst zuhause sieht, dass das Foto nicht ganz so optimal ist. Aber nicht verzagen, einfach hochladen, es ist erstaunlich was Maschine und Mensch aus diesen Fotos erkennen können.

Ich bin immer wieder wirklich begeistert. Jetzt ist auch Botanik eines meiner Hobbies – wenn nicht sogar das liebste!

Wir danken Ihnen für Ihre Zeit. Und natürlich für so viele wichtige Trainingsdaten für unsere Bestimmungs-App!