Spaßfaktor Flora Incognita? Ein Kommentar zur taz am Wochenende vom 25./26. Mai 2019

Spaßfaktor Flora Incognita? Ein Kommentar zur taz am Wochenende vom 25./26. Mai 2019
Spaßfaktor Flora Incognita? Ein Kommentar zur taz am Wochenende vom 25./26. Mai 2019

Auf Twitter stießen wir kürzlich auf folgenden Post:

 

Der Artikel zeigt, dass das Thema Artenkenntnis und Pflanzenbestimmung in der Presse angekommen ist. Das freut uns! Wichtige Aspekte werden angesprochen:

  • Apps können kein Studium ersetzen
  • verschiedene Anbieter verfolgen verschiedene Ansätze
  • Wildpflanzen lassen sich sicherer bestimmen als Kulturpflanzen

Aber ist der Ansatz, digitale Pflanzenbestimmung in einem botanischen Garten durchzuführen, sinnvoll? Man kann argumentieren, ja, denn es ist in gewisser Weise effizient. Auf der anderen Seite sind in einem botanischen Garten Pflanzen der ganzen Welt künstlich ausgebracht und mehr oder weniger nebeneinandergesetzt worden. Solche Anlagen sind ohne Frage wissenschaftlich wichtig und touristisch wertvoll. Aber die Faktoren Standort, Bildhintergrund, Verbreitungswahrscheinlichkeit (alles wesentliche Faktoren zur Artbestimmung) werden in einem botanischen Garten ausgehebelt.

Die Redaktion testete hier also Apps zur Pflanzenbestimmung. Neben Pl@ntNet, Andygarten und Naturblick auch Flora Incognita. Das Urteil: „Hoher Spaßfaktor!“ hinterließ uns dann doch etwas sprachlos. Fakt ist, die Flora Incognita App dient der Bestimmung wildwachsender Pflanzen in Deutschland. Genau das kann sie. Zahlreiche positive Reaktionen und  aktuell zwischen 20.000 und 30.000 tägliche Bestimmungen (womit wir etwa gleich auf mit Pl@antNet liegen) zeigen, das kann sie sogar ziemlich gut. Im Moment liegt unsere Erkennungsrate über alle 4848 Arten bei 86,5 % und mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 %  liegt die gesuchte Art unter den ersten fünf Arten.  Und ja, die App liefert sie nach der erfolgreichen Bestimmung eine Vielzahl weiterführender Informationen zur gefundenen Art. Ist das der „Spaßfaktor“?

Wir finden, das Sammeln von Pflanzenarten macht Spaß. Aber ein abschließendes Urteil, was die Flora Incognita App darauf reduziert, finden wir nicht gerechtfertigt. Leider ist nicht nachvollziehbar, welche Kriterien die Redaktion angesetzt hatte, die zu dieser Bewertung geführt haben sollen. Hier hätten wir uns ein wenig mehr Transparenz gewünscht. „[Pl@ntnet] erkennt als einzige der getesteten Anwendungen auch exotischere Pflanzen“ – Nun, dann hoffen wir mal, dass beim nächsten Test von italienischen Restaurants das Angebot von asiatischen Spezialitäten auch zur Bewertung hinzugezogen wird.