Belege statt Gefühl: Flora Incognita und die Standortdaten

Belege statt Gefühl: Flora Incognita und die Standortdaten
Belege statt Gefühl: Flora Incognita und die Standortdaten

Projektziele

Eine Frage, die uns immer wieder erreicht ist die, warum wir Standortdaten erheben. Die Antwort liegt im Verständnis dafür, dass Flora Incognita mehr ist als eine App. Flora Incognita ist ein wissenschaftliches Forschungsprojekt der TU Ilmenau und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie Jena.

Eines unserer Projektergebnisse ist die immer bekannter werdende App „Flora Incognita“. Diese bietet allen Menschen die Möglichkeit Pflanzen zu bestimmen. Aber es geht um mehr:

  • Entwicklung der Infrastruktur um die Funde zu verwalten, sortieren und verifizieren
  • Menschen zu motivieren, die Pflanzen in Ihrer Umgebung kennenzulernen
  • Langfristig: Beitrag zur Kartierung der Pflanzenarten in Deutschland

 

Was bedeutet Kartierung?

Als kartieren wird die Erfassung von Arten in einem definierten Gebiet bezeichnet. Hier schließt sich der Kreis: definiertes Gebiet. Um eine Art kartieren zu können, müssen wir wissen, an welchem Standort die Pflanze vorkommt.  Mit anderen Worten: Wir können nur Bestimmungen von Arten auswerten, die mit Standortkoordinaten verknüpft sind. Pflanzenfunde ohne Standort sind für dieses Ziel unseres Forschungsprojekts hinfällig.

Bestimmungen der Orientalischen Zackenschote durch Flora Incognita Beobachtungen im Jahr 2019. Es ist ein aktueller Verbreitungsschwerpunkt in Thüringen und entlang des Rheins zu erkennen. Mehr zum Thema finden sie unter unseren Blogeintrag

 

Warum kartieren?

Bienensterben, keine Schmetterlinge mehr im Garten, keine Insektenteppiche an der Windschutzscheibe: Die Diskussion um den dramatischen Rückgang der Biodiversität ist endlich auch in der Tagespresse oder im Alltag angekommen.

Viele Menschen haben ein (individuelles) Gefühl davon, wie Natur zu schützen und Arten zu erhalten sind. Um wirklich etwas tun zu können, braucht es aber mehr als ein Gefühl: Es braucht Daten und Fakten. Mit diesen können sowohl die die Entwicklung als auch der Rückgang von Pflanzenarten in Deutschland beobachtet werden. Dank solcher Auswertungen können WissenschaftlerInnen Behörden und Politik gegebenenfalls informieren und Handlungsempfehlungen ableiten.

Aktuell (Stand Mai 2019) werden täglich 20000 bis 30000 Bestimmungsanfragen an unsere Server gesendet. Danke dafür! Jede einzelne könnte, wenn der Standort mit übermittelt wird, das Vorkommen einer Art an diesem Punkt belegen.  Mit diesen Daten lässt sich auch über längere Zeiträume ein Bild über die Dynamik von Pflanzen ein Deutschland zeichnen. Vollständige Flora-Incognita-Daten können auch einen Beitrag zum Phänologiemonitoring leisten. Der Blühbeginn bestimmter Pflanzenarten definiert die „phänologischen“ Jahreszeiten. Dieser ist zum Beispiel in der Landwirtschaft von großer Bedeutung: Apfelbäume am Bodensee blühen in der Regel eher als in Hamburg!

Nur in Kombination mit Standortdaten können wir die Beobachtungen wissenschaftlich auswerten und Fakten für den Arten- und Umweltschutz schaffen.

Auch die App profitiert von Standortdaten

Je seltener eine Art, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie nur in ganz bestimmten Habitaten verbreitet ist. Natürlich ist es auch (noch) so, dass wir von sehr seltenen oder sehr ähnlichen Arten nicht so viele Trainingsbilder haben wie von häufigen oder auffälligen Arten. Die Standortdaten sind hier auch ein wesentlicher Aspekt zur Erhöhung der Bestimmungssicherheit. Wenn Sie sich also fragen, wie die App sich so sicher sein kann, kann das unter anderem daran liegen, dass beim Bestimmungsalgorithmus Ihr Standort mit einberechnet wurde.

Ein weiterer persönlicher Mehrwert, den Sie durch das Einschalten der Standortfreigabe bekommen sind spezifische Steckbriefe. Informationen zum Schutzstatus oder zur Bestandsentwicklung sind beispielsweise von genau dieser Information abhängig. Auch Verbreitungskarten der gefundenen Arten erhalten Sie, wenn Sie uns den Standort freigeben.

Was passiert mit den Standortdaten?

„Wenn ich Orchideen mit Flora Incognita aufnehme, könnten dann nicht andere Leute kommen, den Standort sehen und die Pflanzen ausgraben?“ Solche und ähnliche Fragen werden oft an uns gestellt (siehe unser Beitrag zur LNDT).

Wir sind uns dieser Problematik sehr bewusst und gehen entsprechend sensibel damit um. Alle Standortdaten landen ausschließlich auf unserem Server und werden nicht frei zugänglich gemacht.  Im Ausnahmefall bekommen Naturschutzbehörden oder wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen ausschließlich anonymisierte Standortdaten zur Verfügung gestellt.

Ihr Beitrag zum Naturschutz

Wir hoffen, dass unsere App sehr viele Menschen dafür begeistern kann, die Pflanzen in Ihrer Umgebung kennenzulernen. Wir hoffen auch, dass alle Nutzenden uns Ihr Vertrauen schenken. Flora Incognita ist und bleibt ein Forschungsprojekt ohne kommerzielle Interessen. Aber für unsere Forschung benötigen wir Daten. Ohne harte Daten keine harten Fakten.