Invasive Arten in Deutschland: Die Orientalische Zackenschote

Invasive Arten in Deutschland: Die Orientalische Zackenschote
Invasive Arten in Deutschland: Die Orientalische Zackenschote

Der weltweite Artenschwund ist kaum noch aufzuhalten. Nach einem kürzlich veröffentlichen Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES  sind eine Million Arten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vom Aussterben bedroht, wenn es zu keinen grundlegenden Änderungen bei der Landnutzung, beim Umweltschutz und der Eindämmung des Klimawandels kommt.

Um den Artenschwund als solches überhaupt zu bemerken ist eine generelle Artenkenntnis vonnöten. Diese zu erhöhen, oder zumindest das Interesse dafür zu wecken, ist einer der Motivatoren für unser Projekt.

Trockenrasen – Artenvielfalt auf engstem Raum

Artenreiche Habitate sind zum Beispiel die in Kalkregionen vorkommenden Trockenrasenflächen. Hier können auf 10m2 Fläche fast 100 verschiedene Pflanzenarten vorkommen. Damit sind sie auf Flächen unter 100m2 artenreicher  als tropische Regenwälder! Der geringe Nährstoffgehalt im Boden erlaubt es auch Arten zu überleben, die mit etwas mehr Konkurrenz um Licht und Wasser keine Chance hätten. Trocken- und Halbtrockenrasenflächen findet man in vor allem im Süden und der Mitte Deutschlands. Es ist von großer Wichtigkeit, solche Gebiete zu erkennen, zu erhalten und weiter zu schützen, zum Beispiel vor invasiven Arten wie der Orientalischen Zackenschote:

Die Orientalische Zackenschote

Der erste dokumentierte Nachweis der invasiven Pflanze in Thüringen stammt von 1862. Bevor Sie sich seit den 1950er Jahren sehr stark auszubreiten begann, galt sie als besondere Rarität und war eine Besonderheit für Botaniker, die zur Sammlung mancher Exemplare weite Reisen unternahmen. Heute verdrängen die mitunter flächigen Bestände in wenigen Jahren seltene und sensible Pflanzen, die mancherorts nur noch in Inselpopulationen vorkommen.

Zackenschote richtig erkennen

Mit der Flora Incognita App kann die Zackenschote schnell sicher bestimmt werden. Wer sie noch nicht kennt, kann die 50 – 150 cm großen Pflanzen mit ihren gelben Blüten mit Raps, verschiedenen Senfarten oder auch dem Barbarakraut  verwechseln, welche im gleichen Zeitraum blühen. Ein genauer Blick auf die Blätter schafft hier schnell Klarheit.  Besonders gern wächst die Pflanze entlang von Straßen- und Wegrändern und auf Brachflächen, von wo aus sie dann in Wiesen, Trocken- und Halbtrockenrasen,  Streuobstwiesen und Weinberge vordringen kann. Eine Pflanze produziert mehr als 1000 Samen pro Jahr und kann sich auch aus Wurzelfragmenten regenerieren.

 

Welche Auswirkungen sind zu befürchten?

Durch die Bildung von Dominanzbeständen wird der Lebensraum sensibler Arten gefährdet.  Zudem kann die Pflanze kann durch die Verdrängung von Gräsern die Stabilität von Dämmen beeinträchtigen.  Zwar sind die Blüten Futterquelle für verschiedene Bienen, gleichzeitig  konkurriert die Art zur Hochblüte auch mit heimischen Arten um Bestäuber.

 

Was kann man tun, um diese Habitate zu schützen?

Wer die Zackenschote richtig bestimmt, kann sie bekämpfen. Die langen Pfahlwurzeln kann man mit Spezialwerkzeug ausstechen (vielerorts gibt der NABU hier Hilfestellung), um ein neues Wachstum im folgenden Jahr zu verhindern. Insbesondere Einzelpflanzen können auf diese Weise wirksam an der weiteren Ausbreitung gehindert werden. Eine weitere wirksame Bekämpfungsmaßnahme ist die Beweidung (v.a. mit Eseln, welche die Pflanze bevorzugt fressen). Als erste Möglichkeit kann man die Pflanze aber auch einfach abschneiden, nachdem die Blüten knapp verblüht und die Samen noch nicht ausgereift sind. Doch Vorsicht, selbst auf dem Komposthaufen können diese noch nachreifen und im Frühjahr zu einer neuen Verbreitung dieser invasiven Pflanze führen. Um das zu verhindern, kann man die getrockneten Teile kontrolliert verbrennen oder fein häckseln.

Übrigens:  Die jungen und noch zarten Triebe können gekocht oder auch roh als Salat verzehrt werden. Die Knospen der Zackenschote sehen nicht nur aus wie Broccoli, sie schmecken auch so.

 

Quellen und weitere Infos:

Bekämpfung des Orientalischen Zackenschötchens

Steckbrief Zackenschote

Faltblatt