Carlina acaulis – Silberdistel

Carlina acaulis – Silberdistel
Carlina acaulis – Silberdistel

Der Name dieser Pflanze geht auf eine Legende zurück: Nach ihr geriet Karl der Große in Bedrängnis, als sich in seinem Heer die Pest ausbreitete. Im Traum erschien ihm ein Engel, der ihm einen Pfeil überreichte. Dieser solle ihm eine Pflanze anzeigen, die heilkräftig genug sein sollte, sein Heer gegen die Pest zu schützen. Es war eine Silberdistel, die den Flug des Pfeils schließlich aufhielt, und das Heer wurde geheilt. Inwieweit sie wirklich hilfreich gegen die Pest sein kann, sei dahingestellt. Die Etymologen sind sich schließlich auch nicht sicher, ob Carl von Linné die Geschichte wirklich zum Anlass nahm, ihr den botanischen Namen Carlina, abgeleitet von Karl dem Großen, zu geben. Der zweite Namensteil acaulis, (lateinisch von a=nicht, caulis= Stängel) bezieht sich aber sicher auf die bodennahe, stängellose Blüte. Sie wird im Deutschen auch Wetterdistel genannt, denn sie reagiert auf Luftfeuchtigkeit: Ihre abgestorbenen, inneren Hüllblätter sind hygroskopisch. Das bedeutet, dass sie Feuchtigkeit aus der Luft binden. Weil die Unterseite der Blätter mehr davon aufnimmt als die Oberseite, krümmen und schließen sich die silbernen Hüllblätter, wenn es zu regnen beginnt. So schützen sie die weißlich bis rötlichen Röhrenblüten vor den schweren Tropfen. Sinkt die Luftfeuchtigkeit bei Sonnenschein wieder, öffnen sich die Hüllblätter durch die Abgabe der Wassermoleküle.

Sie ist jedoch nicht überall als „Wetterfrosch“ einsetzbar. Die Silberdistel wächst ausschließlich auf steinigem, kargem Gelände, wie magere kalkhaltige (Halb-)Trockenrasen, gern an Hängen. Ihre bis zu 1m lange Pfahlwurzel sorgt dabei für den nötigen Halt. So ist sie von den Alpen bis in die Tallagen der Mittelgebirge zu finden. Im Norddeutschen Tiefland kommt sie natürlicherweise nicht vor. Bei einem hohen Stickstoffangebot wird die stängellose, niedrige Pflanze leicht überwachsen, sodass man sie nur an Orten mit geringer Humusauflage finden kann. Da diese langsam schwinden, wird auch die Silberdistel immer seltener und steht unter Naturschutz. Durch ihre schöne und markante Erscheinung reichen die Schutzbemühungen um sie schon weit in das letzte Jahrhundert zurück.

Für Menschen, die sie in nächster Nähe wachsen sehen wollen, gibt es gezüchtete Exemplare auch in Staudengärtnereien zu kaufen. Sie benötigt an passenden Plätzen (wie beispielsweise in Steingärten in voller Sonne) äußerst wenig Pflege und ist mit der im Durchmesser bis zu 10cm großen Korbblüte ein wahrer Blickfang. Meist erhält man in Gärtnereien auch eine züchterische Auslese, die ihre Blüte etwas in die Höhe streckt, also nicht mehr ganz so stängellos daherkommt. Das bodennahe Wachsen ist eine Anpassung an das raue Klima in den Bergen mit Schneelast und starken Winden. Auch ohne manuelle Auslese findet man sie mitunter in natürlichen Standorten auf ebenen, geschützten Lagen mit einem Stängel entwickelt.

Blüten der gärtnerisch angebauten Pflanze werden auch in der Floristik verwendet, dort wird ihnen in Trockensträußen zu einem längeren Leben verholfen. Auch kulinarisch ist sie von Wert: Ihr Blütenboden soll ähnlich wie Artischocke schmecken, und gebleichte Blätter sollen im Frühjahr als Delikatesse verspeisen werden können, wenn man sich von den stacheligen Zähnen der tief gespaltenen Blätter nicht abschrecken lässt.