Gelber Steinklee – Melilotus officinale

Der Gelbe Steinklee ist auf Ruderalflächen zu Hause. Wie sein Name impliziert, kommt er auf steinigen, trockenen Böden zurecht und benötigt einen vollsonnigen Standort. Das macht ihn zu einer perfekten Pionierpflanze. Derzeit ist er von weitem durch die gelben Blüten und seinen aufrechten, bis zu 1,50m hohen Wuchs erkennbar. Selbst vom Zug aus kann man ihn in regelrechten gelben „Blühstreifen“ erspähen, denn er besiedelt gern größere Flächen und wächst bevorzugt auf Bahndämmen, Wegrändern, Steinbrüchen, Brachen und Schuttflächen. Man darf ihn jedoch nicht mit der Kanadischen Goldrute verwechseln, die gerade auch gelb blüht und noch dominanter ähnliche Ödflächen bevölkert.

Der nah verwandte Weiße Steinklee Melilotus albus, ist auf den gleichen Standorten zu finden. Er unterscheidet sich gut sichtbar durch seine weiße Blütenfarbe. Wie alle Pflanzen der Familie der Schmetterlingsblütler ist der Steinklee fähig, den sonst nicht pflanzenverfügbaren Luftstickstoff zu nutzen und somit dem armen Standort zu trotzen. Diese Besonderheit wird durch eine Symbiose mit sogenannten Knöllchenbakterien möglich, die den Stickstoff aus der Luft aufnehmen und ihn in den „Knöllchen“ der Wurzel umwandeln. Hier bekommen sie das ihrerseits notwenige Wasser zur Verfügung gestellt. Die Zugehörigkeit zu ihrer Pflanzenfamilie ist gut an den Blüten selbst zu erkennen. Sie haben den typischen Aufbau von Schmetterlingsblüten mit Fahne, Flügel und Schiffchen. Die Einzelblüten hängen zahlreich in aufrechten, achselständigen Blütentrauben zusammen, die zwischen 4-10cm lang werden. Nach der Blütezeit, die sich von Juni bis September erstreckt, entwickeln sich kleine Hülsenfrüchte mit jeweils nur einem bis zwei Samen.

Der botanische Name „Melilotus“ leitet sich aus dem griechischen: „Meli“ für Honig ab. Riecht man an den Blüten, nimmt man tatsächlich einen süßlichen Geruch wahr und der Insektenreichtum an den Blütentrauben macht deutlich, wie nektarreich sie sind. Da die Blüte sehr kurz ist, können auch Schwebfliegen und kurzrüsslige Wildbienen an den Nektar gelangen. Der zweite Wortteil „lotus“ steht für Klee. Die gegenständigen Blätter mit gezacktem Blattrand weisen in ihrem dreiteiligen Aufbau klare Ähnlichkeit mit Klee auf. Die Blätter haben eine weitere Besonderheit: Sie besitzen ein Blattgelenk und können sich mit dessen Hilfe nachts einklappen. Trocknet man die Pflanze, ändert sich ihr honigsüßer Geruch: Einer ihrer Inhaltsstoffe ist Cumarin, welches auch im Waldmeister zu finden ist und dort, so wie auch beim Steinklee, für den typischen Geruch nach Maibowle verantwortlich ist. Die getrocknete Pflanze wurde wegen ihres markanten Geruchs gern verwendet, um Motten und Schaben von Schränken fernzuhalten.

Der botanische Artname „officinale“ (griechisch für heilsam) deutet schon darauf hin, dass der Steinklee wohl dosiert eine Heilpflanze ist, die unter anderem gegen Prellungen, Venenleiden und Blutergüsse hilft. Da Steinklee jedoch auch Vergiftungserscheinungen wie Migräneanfälle hervorrufen kann, ist die Verwendung Experten vorbehalten. Durch eine falsche Trocknung können andere Umwandlungsprodukte entstehen, welche die Blutgerinnung herabsetzen. Im Heufutter untergemischt, kann das zu starken Komplikationen bei Vieh führen und sollte eine Bedenkenlosigkeit in der Verwendung des sonst so honigsüßen Krautes ausschließen.