Rundblättriges Wintergrün – Pyrola rotundifolia

Das Rundblättrige Wintergrün hat einen bezeichnenden Namen: Runde Blätter, die auch im Winter saftig grün sind, sitzen in einer Grundrosette an ihrem Stängel. Doch die Pflanze versteckt noch eine weitere Besonderheit: sie kann sich bei der Nährstoffversorgung auf Unterstützer im Boden verlassen. Wenn die niedrigen Temperaturen und die geringe Sonneinstrahlung des Winters die Photosynthese begrenzen, fällt diese Form der Energieversorgung weg. Dann kann sich die Pflanze die Versorgung mit Nährstoffen aus dem Boden zunutze machen. Hilfe bekommt sie von anderen Organismen: Ein feines Pilzgeflecht umgibt die Wurzeln, und dringt zum Teil sogar in diese ein. Die Pilzfäden selbst beziehen ihre Nährstoffe unter anderem von Waldbäumen und versorgen damit auch das Wintergrün. Da diese Verbindung ganzjährig Nährstoffe liefert, kann die Pflanze auch im Winter sattgrün an der Oberfläche strahlen.

Nicht nur das Rundblättrige Wintergrün, sondern auch viele seiner Verwandten aus der Familie der Heidekrautgewächse gehen diese besondere Verbindung mit einem Mykorrhiza-Pilzgeflecht ein.  Dies ermöglicht ihnen, auch auf mageren Standorten zu existieren. Der externe Nährstoffeintrag lässt es sogar zu, dass die Samen des Wintergrüns ohne eine Nährstoffschicht mit dem Wind auf die Reise geschickt werden können. Voraussetzung für diese Vermehrungs-Strategie ist jedoch, dass die Samen nach ihrer Landung erneut ein Pilzgeflecht vorfinden, damit der Keimling mit Nährstoffen versorgt werden kann.

Der Verzicht auf eine Eigenversorgung durch Nährstoffe führt zu einer „Ultraleichtbauweise“ der Samen. Staubfein reifen sie in den Kapselfrüchten heran. Schätzungen ergeben, dass es 200.000 Samen braucht, um 1g Gewicht zu erreichen.

Die weißen, leicht glockigen Blüten des Rundblättrigen Wintergrüns sitzen in Trauben. Sie sind meist weiß, selten rosa gefärbt und ca. 1cm groß. Fünf abstehende, lanzettlich geformte Kronblätter, gelbe-orangene Staubblätter und ein S-förmig gekrümmter Griffel sind charakteristisch für die nach Maiglöckchen duftenden Blüten. Die Blüten sind nektarlos, denn die Pflanze gehört zu den Selbstbestäubern. Doch auch die vegetative Vermehrung mit Hilfe von Ausläufern ist für die immergrüne Pflanze wirkungsvoll.

Früher wurde das Rundblättrige Wintergrün wegen seiner Inhaltsstoffe als Heilpflanze verwendet. Es enthält Arbutin, welches gegen Bakterien wirksame Hydrochinone freisetzen kann. Auszüge daraus wirken beispielsweise harndesinfizierend, sind aber auch leicht giftig, sodass das Medikament nur kurz eingenommen werden konnte. Heute ist das Sammeln des Rundblättrigen Wintergrüns verboten, da es ziemlich selten geworden ist und mittlerweile unter Schutz steht.